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Oskar, der Familienvater

Oskar, der Familienvater

2009 zogen wir mit unseren vierbeinigen Freunden in ein kleines Dorf in Mittelhessen.

Unsere Katzen und unsere Hündin lebten sich sehr schnell ein und besonders die Katzen begonnen bald, ihre neue Umwelt zu erkunden.

Eines Tages hörten wir Kreischen, Fauchen und Knurren vor unserer Tür und als wir sie öffneten, saßen unsere Fellnasen einem stattlichen weißen Kater gegenüber, den sie sehr misstrauisch musterten.
Der Kater sah ziemlich ungepflegt und zerrupft aus. Er hatte ein gespaltenes Ohr, seine Augen tränten, seine Nase war verkrustet und an einem Ohr wuchs ein kleiner Tumor. Uns gegenüber war er sehr scheu.

Für uns war klar, dass wir es hier mit einem heimatlosen Streuner zu tun hatten.

Unsere Hündin klärte die Streitigkeiten, indem sie sich zwischen die Rivalen stellte und den weißen Kater ein wenig abdrängte.
Danach war erstmal Ruhe….

Ein paar Tage später sahen wir den Kater wieder, wie er über unsere Mauer kletterte und sich unseren Garten offensichtlich mal genauer anschaute.

Mit unseren anderen Katzen hatte er sich offenbar inzwischen arrangiert und sie duldeten ihn mit einer gewissen Gleichgültigkeit.

Obwohl der Kater recht kräftig zu sein schien, hatte er wohl recht großen Hunger und wir fingen an, ihm von Zeit zu Zeit ein wenig Futter vor die Tür zu stellen.

Daraufhin kam er öfter vorbei…..

Nach ein paar Monaten, wir hatten uns an seine kurzen Besuche gewöhnt und auch schon die ersten vorsichtigen Versuche, ihn zu streicheln, durchgeführt, als er plötzlich mit einer hübschen Katzendame über die Mauer geklettert kam und um Futter bettelte.

Ja….richtig!
Er führte seine Freundin bei uns zum Essen aus……

Wir waren das „Restaurant“, mit dem er bei seinem Date prahlen wollte.

Natürlich gaben wir beiden jeweils einen Napf mit Futter und „sein“ Mädchen nutzte das Angebot auch, sobald wir uns wieder entfernt hatten und es sich an den Napf traute.

Eine ganze Weile sahen wir seine Freundin dann nicht mehr und er kam weiterhin unregelmäßig alleine zu uns, um zu schauen, ob die Speisekarte noch gültig ist.

Nach einer weiteren kurzen Zeitspanne erwischten wir ihn, wir hatten ihn inzwischen den Namen Oskar gegeben, in unserer Küche (wir haben eine Katzenklappe, durch die unsere Katzen jederzeit nach draußen und wieder hinein ins Haus können), wie er über den Näpfen unserer Mitbewohner hing und diese plünderte.

Inzwischen ließ er sich auch anfassen und sogar auf den Arm nehmen. Er freundete sich mit uns an und wir mit ihm.

So vergingen weitere Wochen und seine Besuche wurden zeitweilig etwas seltener, sodass wir uns schon wunderten, was wohl passiert war.

Doch dann wurden wir mehr als überrascht:

Über unsere Mauer kletterten auf einmal Oskar, seine Freundin und 3 junge Katzen.

Er kam mit seiner Familie zu uns zum Essen…..

Er stellte uns tatsächlich seine Familie vor und zeigte ihnen dabei auch gleichzeitig, wo sie im Notfall Futter bekommen können.

Unsere Überraschung kann sich kaum jemand vorstellen. Mit so etwas hatten wir natürlich nicht gerechnet.

Seine Familie bestand aus ihm, der Mutter, zwei Jungs und einem Mädel.

Das Mädchen war, wie die Mutter extrem scheu und traute uns überhaupt nicht über den Weg. Sie beäugte ihre schmatzende Verwandtschaft von der Ferne und traute sich nicht an den Futternapf.

Also besuchte uns die Familie von Zeit zu Zeit und auch die kleine Tochter wurde langsam etwas zutraulicher.

Inzwischen suchten wir mögliche Besitzer der Katzenfamilie, da wir uns nicht vorstellen konnten, dass sie so gar nicht gepflegt und gefüttert werden.
Außerdem wollten wir weiteren Nachwuchs verhindern, konnten aber nichts unternehmen, solange wir nicht sicher waren, dass niemand für die Tiere verantwortlich ist.

Tatsächlich fanden wir Oskars Halter und stellten fest, dass er einem alten Mann (102 Jahre alt) gehörte, der sich nicht mehr richtig kümmern konnte. Seine Enkel hatten selber ein Kind und dieses ging Oskar, der eigentlich Francis hieß, einfach nur auf die Nerven. Wir erfuhren auch, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits 12 Jahre alt war

Wir einigten uns mit den Enkeln, dass wir uns irgendwie gemeinsam um die Familie kümmern und sie sich selber aussuchen können, bei wem sie leben wollen.

So pendelten die Katzen also hin und her.

Eines Tages saß Oskar (wir behielten für uns den Namen bei) neben den Fressnäpfen, maulte uns an und hielt seine Pfote hoch. Er hatte sich verletzt und bat uns um Hilfe.

Wir fuhren mit ihm zum Tierarzt und ließen ihn versorgen.
Ab diesem Moment änderte sich Oskars Verhalten uns gegenüber. Er wurde anhänglicher, verschmuster und kam nun täglich zu uns.

Immer wieder hatte er seine Familie dabei, aber er kam auch gerne alleine.

So geschah es, dass ich eines Nachts auf der Couch vor dem Fernseher einschlief und als ich erwachte, hatte ich Oskar im Arm, der selig schnurrte und sich an mich gekuschelt hatte.

Ab diesem Tag lebte Oskar bei uns. 

Es dauerte nicht lange, da freundete er sich intensiv mit Leo an. Leo war ebenfalls von einem Nachbarn bei uns eingezogen. Die beiden waren zusammen ständig unterwegs und Oskar legte sehr großen Wert darauf, dass Leo auch mit seiner Familie in Kontakt kam.

Oskars Freundin/Ehefrau, die den Namen Jojo trug und tatsächlich eine reine Streunerin war, die Oskar wohl bei einem seiner Streifzüge kennengelernt hatte, und seine Tochter, die wir Frieda nannten, waren inzwischen auch regelmäßig bei uns zu Gast und übernachteten sogar von Zeit zu Zeit (besonders bei schlechtem Wetter) in unserer Küche auf den Küchenstühlen.

Nach einer Weile der unbekümmerten Idylle wurde Oskar eines Abends nervös. Er atmete schwer und setze sich direkt vor die Haustür und schaute uns Hilfe suchend an.
Wir fuhren mit ihm zum Tierarzt und der stellte eine Herzinsuffizienz fest. Er war dabei, zu ersticken.

Der Arzt gab ihm keine Chance, die Nacht zu überleben, trotzdem entschieden wir uns dafür, ihn in ein Sauerstoffzelt zu packen und es zu versuche, ihn zu retten.

Oskar überlebte, brauchte dann allerdings regelmäßig Medikamente. Uns war klar, dass es jederzeit zu Ende sein könnte, aber wir wollten ihm die restliche Zeit so schön wie möglich gestalten.

Oskar war inzwischen vollkommen auf uns und besonders auf mich fixiert.
Wenn wir im Garten waren, kam er sofort angerannt, wollte auf den Arm genommen werden und legte auch seine Vorderbein um unseren Hals, um auch uns „in den Arm“ zu nehmen.

Seine Frau und Tochter lebten inzwischen mehr oder weniger in unserer Küche und verließen unser Gelände nur noch selten.

Wo immer er auch gerade war, wenn wir seinen Namen riefen, um ihm seine Medikamente zu geben, kam er nach spätestens 2 Minuten angerannt und holte sich diese bei uns ab, um dann wieder streunen zu gehen.
Er wusste, was wir da für ihn tun und er nahm es dankbar an.

An dem Abend des 01. Oktober 2016, ca. 6 Monate, nachdem seine Herzkrankheit diagnostiziert wurde, übergab sich Oskar zum ersten Mal, seit wir ihn kannten, in unserem Wohnzimmer.
Danach kam er zu mir auf die Couch, legte sich auf meine Brust, umschlang mich mit seinen Vorderpfoten und kuschelte intensiv mit mir.

Ich legte mich auf die Couch und wir schliefen kuschelnd zusammen ein.
Als ich dann schläfrig ins Bett ging, lag er noch auf der Couch.

Am nächsten Morgen war er verschwunden. Wir riefen ihn, denn er brauchte ja seine Tabletten. Er kam nicht.

Mittags klingelte es an unserer Tür und eine Nachbarin teilte uns mit, dass sie eine tote Katze in ihrem Garten gefunden hätte.

Es war Oskar.
Er war auf dem Weg zu seiner Familie (oder auf dem Rückweg) einfach tot umgefallen…..

Seine Witwe und Tochter leben noch immer bei uns. Sie sind inzwischen feste Familienmitglieder und bewegen sich frei im Haus. Frieda hat inzwischen auch die Couch und das nächtliche Kuscheln für sich entdeckt.

Seine Söhne kommen uns fast täglich besuchen und überprüfen das Futterangebot in den Näpfen unserer Vierbeiner.

Oskar wusste von seinem bevorstehenden Schicksal und hat alle Vorsorge getroffen, damit seine Familie gut versorgt ist.

Leo, Oskars bester Freund, kümmerte sich nach Oskars Tod rührend um dessen Frau und Tochter, bis er im Juni 2018 selber einer Herzinsuffizienz erlag.

Wir sind alle Eins!

Wir sind alle gleich!

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